Zum Inhalt springen

Handreichung AV · Lehrkräfte

AV und Pädagogik

Bildungsziele, Lernagenda, Unterricht und offene Lernzeit.

Was ist AV?

Das Konzept zur AV richtet sich an Jugendliche, die im Anschluss an den Besuch der allgemeinbildenden Schule Unterstützungsbedarf bei der Berufswege- oder Lernwegeplanung haben und berufsschulpflichtig sind. Es sieht neben einer Pädagogik des niveaudifferenzierten Lernens eine verstärkte Einbindung von Betriebspraktika vor, gekoppelt an eine individuelle Begleitung der Jugendlichen.

Die unterschiedlichen Bildungsziele sind die Erlangung eines dem Hauptschulabschluss gleichwertigen Bildungsabschlusses, ein Abschluss der einjährigen Berufsfachschule, eine Verbesserung eines bestehenden Hauptschulabschlusses oder der Übergang in das zweite Jahr der zweijährigen Berufsfachschule mit dem Bildungsziel eines der Fachschulreife gleichwertigen Bildungsabschlusses. In der Regel ist die Ausbildungsvorbereitung ein einjähriger Bildungsgang, der nach Vereinbarung mit den Erziehungsberechtigten ausnahmsweise ein zweites Mal durchlaufen werden kann.

Das zweite Jahr der zweijährigen Berufsfachschule ist eine eigenständige Schulart. Das Lernen im AV erfolgt individualisiert, niveaudifferenziert und mit individueller Lernberatung. Das angestrebte Bildungsziel wird in den Zielvereinbarungsgesprächen beraten und im dritten Gespräch verbindlich festgehalten. AV verbindet allgemeinbildendes Lernen mit berufsbezogenen Lernfeldprojekten, Betriebspraktika und ganztägiger Begleitung.

Zentral für den Erfolg der Umsetzung der pädagogischen Konzepte ist dabei die enge Zusammenarbeit in fest etablierten Lehrerteams und deren stetige Weiterentwicklung. Diese Handreichung enthält klar strukturierte Prozesse, Abläufe und Vorgaben zur individuellen Betreuung der Lernenden. Dazu gehören insbesondere:

  • Geschlossenes Auftreten als Lehrerteam
  • Transparente und einheitliche Durchsetzung des Regelwerks im AV-Bereich
  • Enge Zusammenarbeit und Kommunikation im Team mit der Klassenleitung, der Lernberatung und der Fachkollegen
  • Enge Teamarbeit und Zusammenarbeit mit der Abteilungsleitung
  • Enge Zusammenarbeit mit der Schulsozialarbeit und externen Stellen
  • Teilnahme an der wöchentlichen Teamsitzung
  • Stetige Rückmeldungen zu Individualsituationen, Klassensituationen, Prozessoptimierungen und Handlungsrichtlinien

„Lernen selbst gestalten“ heißt

  • Die Lernenden entscheiden selbst, welches Ziel sie erreichen wollen
  • Die Lernenden bestimmen, wie schnell sie weiterkommen wollen
  • Die Lernenden legen fest, wann sie Vollgas geben oder es rollen lassen
  • Die Lernenden tragen die Konsequenzen ihres Handelns
  • Die Lernenden bestimmen, was für sie wichtig ist
  • Die Aufgabe der Lehrkraft ist es, die Lernenden auf diesem Weg zu beraten, zu begleiten und zu unterstützen
  • Außerdem achten die Lehrkräfte gemeinsam darauf, dass alle Lernenden in einer positiven Lernatmosphäre arbeiten können
Das Schaubild verbindet Selbstreflexion, Motivation, Niveaudifferenzierung und selbstwirksames Lernen.
Übersicht zum erfolgreichen Lernen
Das Schaubild zeigt Lernen als Zusammenspiel von Strukturieren, Kooperieren und Reflektieren.
Lernen im Mittelpunkt

Im Mittelpunkt steht das Lernen der Lernenden. Unterricht, Unterrichtsentwicklung und Schulentwicklung bilden die schulischen Handlungsebenen, die das Lernen unterstützen sollen. Ausgehend von diesem Modell werden verschiedene Ebenen betrachtet:

  • Das Lernen – Unterricht
  • Das Lernen organisieren – Unterrichtsentwicklung
  • Den Veränderungsprozess organisieren – Schulentwicklung
Die Grafik zeigt Beziehungsgestaltung, Niveaudifferenzierung, Ganztagsbegleitung, Teamarbeit und schülerorientierte Organisation.
Fünf Säulen des AV

Der Lernanreiz durch Instruktion steht einem selbstorganisierten Lernzuwachs entgegen, insbesondere bei der Einführung in neue Themen und Lerninhalte. Je stärker ein Lernprozess im Miteinander und in Erwartung des erfolgreichen Anwendens des Erlernten abläuft, desto größer ist der Zuwachs an Lernwilligkeit und Kompetenzen. Die Lernenden tauschen sich gegenseitig über ihre ^^Lernziele und individuellen Lernstrategien aus und sollen dadurch Lerndruck oder Versagensangst abbauen. Ein essenzieller Aspekt dabei ist, dass die Lernenden durch die Dokumentation, Reflexion und Bewertung des eigenen Lernprozesses motiviert werden – der Fokus liegt auf „ich kann“ und nicht auf „ich kann nicht“.

Handlungsziele motivieren dabei immer stärker als Leistungsziele oder Ergebnisziele.

  • Ein Handlungsziel bezieht sich auf eine Aktion oder konkrete Handlung:

„Ich lerne, in Konzerten mitzusingen.“

  • Ein Leistungsziel bezieht sich auf eine Verbesserung einer Handlung:

„Ich werde jeden Monat einen Liedtext auswendig lernen.“

  • Ein Ergebnisziel bezieht sich auf das Erzielen eines konkreten Ergebnisses:

„Ich werde bei meinem nächsten Taylor Swift Konzert alle Lieder mitsingen können.“

Pädagogik

Lernagenda und Arbeitsmaterial

  • Die Lernenden erhalten zu Beginn des Schuljahrs eine Lernagenda, die alle benötigten Unterlagen, Formulare, Regeln, Erklärungen und Vereinbarungen enthält. Die Erziehungsberechtigten unterschreiben diese Lernagenda bis spätestens zum ersten Zielvereinbarungsgespräch.
  • Das pädagogische Konzept der Schulart AV an der GS Lahr sieht vor, dass jeder Lernende ein eigenes Fach in den Klassenräumen zur Verfügung gestellt bekommt. In diesem Fach sollen die Lernenden ihr Arbeitsmaterial und ausgeteilte Blätter Ordnern und Schnellheftern abheften und ihre Schulbücher aufbewahren.
  • In das Ablagefach sollen auch Formulare, Kommunikation mit den Lernenden, Arbeitsaufträge und Arbeitsblätter von verpassten Unterrichtsstunden abgelegt werden.
  • Die Schüler müssen sämtliches Arbeitsmaterial selbst mitbringen. Die Schule stellt die benötigten Ordner und Schnellhefter und Taschenrechner zur Ausgabe. Die Taschenrechner werden nach Benutzung wieder eingesammelt und verschlossen.
  • Wenn Lernende ihre Arbeitsmaterialien vergessen, gibt die Fachlehrkraft Stifte, Papier etc. aus einem im Klassenzimmer verschlossenen Vorrat aus. Das wiederholte Vergessen von Arbeitsmaterialien wird in der Lernberatung diskutiert und als Konsequenz können pädagogische Maßnahmen erfolgen.
  • Zur Vorbereitung auf Klassenarbeiten und Prüfungen kann das Lernmaterial mit nach Hause genommen werden, es soll jedoch primär in der Schule gearbeitet werden.
  • Die Lernenden erhalten mit der Lernagenda auch alle benötigten Informationen und Unterlagen wie Laufzettel für die Praktikumssuche, Bestätigungen und Absagen sowie die Rücklaufbögen der Betriebe enthalten.

Unterricht

  • Hausaufgaben werden in der offenen Lernzeit, also in der Regel in der Schule bearbeitet.
  • AV ist eine Ganztagesschulart, dies bedeutet, dass insgesamt 4 Tagen der Woche mindestens 8 Stunden Unterricht stattfinden muss.
  • Selbstorganisiertes, niveaudifferenziertes Arbeiten der Lernenden wird nicht im Stundenplan ausgewiesen, sondern ist Teil des regulären Unterrichtsgeschehens. Zu diesen Zeiten soll vornehmlich im jeweiligen Unterrichtsfach gearbeitet werden, es ist jedoch im Sinne des selbstorganisierten Lernens, wenn Lernende stattdessen Arbeitsmaterial eines anderen Fachs bearbeiten.
  • Es stehen Tablets für alle Lernenden zur Verfügung, die ihnen mit einer Nummer zugeteilt werden. Die Lernenden sind verantwortlich für das Laden der Geräte und Peripherie und den pfleglichen Umgang.
  • Die Tablets befinden sich in Tablet Wägen in einem dafür vorgesehenen Bereich und können zu jeder Unterrichtsstunde und in der offenen Lernzeit flexibel eingesetzt werden. Die Lernenden holen sich ihr eigenes Tablet zu Beginn der Stunde ab und verstauen es nach der Nutzung wieder im dafür vorgesehenen Fach im Wagen.

Offene Lernzeit (Klassenleitungsstunde)

  • Die Stunde findet in der Regel in den letzten beiden Stunden an jedem Freitag der Woche statt. Für die Lernenden besteht Anwesenheitspflicht. Die Lernenden dürfen sich in diesen Stunden miteinander austauschen.
  • Die Klassenleitung und ggf. Lernberatungen sind anwesend, um Fragen zu beantworten, mit den Lernenden ins Gespräch zu kommen, Probleme oder Schwierigkeiten zu besprechen und organisatorisches zu klären.
  • Termine und Gespräche mit der Schulsozialarbeit sollen möglichst in diese Stunden gelegt werden.
  • Die Lernenden arbeiten ansonsten selbstständig an ihren Arbeitsaufträgen, Hausaufgaben oder Projekten und bereiten sich auf den Unterricht oder Klassenarbeiten und Prüfungen vor.
  • Ein Wochenplan wird eingeführt, wenn ausreichend niveaudifferenziertes Lernmaterial zur Verfügung steht. Bis zu dieser Regelung geben die Fachlehrkräfte die Aufgaben jeweils für ihr eigenes Fach aus, die durch die Lernenden in der offenen Lernzeit bearbeitet werden.
  • Die Konzepte von selbstorganisiertem Lernen und offener Lernzeit sollen jedoch auch in allen anderen Unterrichtsfächern bzw. -stunden trainiert und eingesetzt werden, mit dem Ziel, dass die Lernenden zukünftig mindestens mehrheitlich, idealerweise aber vollständig selbstständig arbeiten. Die Bedeutung von Frontalunterricht rückt in gleichem Maße in den Hintergrund und die Lehrkraft nimmt eine zunehmend moderierende Rolle ein.
AV-App Beta v0.9.0-beta.46